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Geschichte der KZ-Gedenkstätte

Die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Ebensee ist eine derjenigen, die bislang noch nicht geschrieben wurde. Dabei existiert eine Fülle von verstreut liegenden Schriftstücken und Zeitungsartikeln, die die insbesondere in den Nachkriegsjahren heftig umstrittene Gedächtnisstätte samt den Opferfriedhof zum Inhalt haben. Insbesondere aus historischer und politischer Sicht ist es nicht unwesentlich, wie sich das Erscheinungsbild einer Gedenkstätte, der Umgang mit deren Existenz, ja das Gedenken an KZ-Opfer an sich, im Lauf der Jahre wandelt.

Während sich die Gemeinde- und Landespolitiker bis etwa 1955 mit den „unseligen“ Relikten des früheren Konzentrationslagers auseinandersetzen mussten verschiedene Komitees von Exhäftlingen und „Displaced Persons“, die in Österreich lebten, sowie KZ-Verbände konnten sich für geraume Zeit einen gewissen öffentlichen Einfluss bewahren blieb ab Mitte der 50er Jahre bis etwa 1985 die Existenz des „KZ-Friedhofes“ in Ebensee ein „wohlbehütetes Geheimnis“.

Bis zum Jahr 1955 wurden, wie in den Regionalzeitungen zu verfolgen ist, regelmäßig im Mai Gedenkfeiern, anfangs auch am ehemaligen Appellplatz des Lagers, unter großer internationaler Beteiligung abgehalten. Regional- und Landespolitiker, sowie Vertreter der KZ-Verbände und der katholischen, evangelischen und jüdischen Konfessionen nahmen teil. Zu Allerheiligen veranstaltete die Gemeinde Ebensee eine Feier am KZ-Friedhof, anschließend am SS-Friedhof (!) in Steinkogl. Nach dessen Auflassung rückte das Kriegerdenkmal ins Zentrum des Gedenkens.

Dem Stigma, ein KZ-Standort gewesen zu sein, versuchte man in Ebensee mit der Strategie der strengen Geheimhaltung zu begegnen. 3 Kilometer außerhalb des Ortes, versteckt hinter einer zusehends ihr Volumen maximierenden Wohnsiedlung, vermutete kaum jemand von den Auswärtigen einen „KZ-Friedhof“. 1985, anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung des KZ-Ebensee organisierten einige engagierte EbenseerInnen  eine Ausstellung über das frühere Konzentrationslager. Der junge sozialdemokratische Ebenseer Bürgermeister Rudolf Graf inkludierte in sein Arbeitsprogamm das Ziel, die in jahrelanger Mühe weit gewordenen Erinnerungslücken zu schließen. 1987 wurde eine Städtepartnerschaft zwischen Ebensee und Prato (viele KZ-Opfer stammten aus der Stadt in der Toskana) geschlossen. 1988 erfolgte die Gründung des Vereines Widerstandsmuseum. Ein Stollengang konnte von den Österreichischen Bundesforsten zu Schauzwecken angemietet werden, 6-sprachige Informationstafeln auf dem Friedhofsgelände erläutern die Geschichte des Lagers in Kurzform und seit geraumer Zeit werden fachkundige Führungen durch das Lagergelände angeboten.

Der lange verwaist gewesene „KZ-Friedhof“ wird mehr und mehr zur internationalen Gedenkstätte, auch wenn der eine oder andere Hausbesitzer am früheren Lagergelände sich durch das vermehrte Auftreten von PKW mit ausländischen Kennzeichen und den dazugehörenden Leuten im Genuss seiner klein häuslichen Idylle gestört fühlt.

 Die Geschichte im Detail

Als das KZ-Ebensee am 6. Mai 1945 von US Truppen befreit wurde, fanden die Soldaten rund 1.000 Leichen vor dem Krematorium und am Lagergelände liegend vor.

Insbesondere polnische, französische und jüdische Überlebende wollten die toten Kameraden würdig bestatten. Um einen Friedhof errichten zu können, enteigneten die Behörden ein Grundstück der früheren NS-Landesbäurin Antonia W. an der Ischlerstraße (früherer Verlauf der Bundesstraße 145), 2 Kilometer vom Lagergelände entfernt. Am 2. Juni 1946 erfolgte die Einweihung des KZ-Friedhofes und eines eindrucksvollen steinernen Monuments mit der aus heutiger Sicht nicht vertretbaren Inschrift „Zur ewigen Schmach des deutschen Volkes.“

Das KZ-Lagergelände selbst war in der Zwischenzeit für eine Wohnsiedlung parzelliert und zur Verbauung freigegeben worden. In einer Niederschrift anlässlich einer Besichtigung des KZ-Lagergeländes vom 3. 3. 1949 wird festgestellt, dass von den Baulichkeiten des KZs fast nichts mehr vorhanden sei, von den Baracken seien noch vier in einem sehr schlechten Zustand erhalten, vom ehemaligen Krematorium seien noch 2 Mauerpfeiler sichtbar. Es sei beabsichtigt, auf dem Lageareal eine Wohnsiedlung zu errichten, wobei bei der Planung jedoch auf keine Weihestätten und Denkmäler Rücksicht genommen wurde. Der KZ-Verband ersucht in der Folge wenigstens, den Torbogen des Haupteinganges zu erhalten.

Bezugnehmend auf den Antrag um Erhaltung des Lagertores schreibt die BH Gmunden an das Amt der OÖ. Landesregierung: „Vom ersten Lagertor existieren nur mehr 3 nackte Betonsäulen, die abgerissen werden sollen, da sie das Landschaftsbild nachhaltig beeinflussen und als Erinnerungsmonument keinesfalls in Betracht kommen.“

In der Nähe des 2. Eingangstores, einem Torbogen, seien bereits die Grundfesten von 4 Siedlungshäusern errichtet worden. Obwohl Landeshauptmann Dr. Gleißner ankündigt, den gegenständlichen Torbogen unter Denkmalschutz zu stellen, schlägt die BH Gmunden vor, den Torbogen, da er im geplanten Siedlungsgelände stehe, abzutragen und in der Nähe des „Lepetit-Denkmales“ einen ähnlichen wieder aufzubauen. Der Torbogen ist nicht abgetragen worden und befindet sich heute noch an seiner ursprünglichen Stelle. Die großen Torflügel aus Holz wurden restauriert und können nun beim Eingang zum Gedenkstollen besichtigt werden.

Auf die heute brennende Frage, warum das Lager als authentisches Zeugnis nicht erhalten sondern relativ rasch verbaut wurde, geben die Gemeindeausschussprotokolle der Gemeinde Ebensee Aufschluss.

Obwohl der sozialdemokratische Bürgermeister Max Zieger als Fremdenverkehrsreferent am 25. Juli 1945 noch in Aussicht stellt – „Die Seilschwebebahn, das ehemalige KZ-Lager und die verschiedenen Baufirmen werden sicher Anlass zu einem späteren Besuch des Ortes geben“ – werden seitens der Gemeinde keine Anstrengungen unternommen, das KZ-Lager als Gedenkstätte zu erhalten.

Primär war die Tatsache ausschlaggebend, dass in die noch bestehenden Baracken erst deutsche und österreichische Kriegsgefangene in US-Internierung standen, später dann Heimatvertriebenen („displaced persons“) Aufnahme gewährt werden musste. Bürgermeister Zieger am 2. 4. 1946 „Es ist ein untragbarer Zustand, dass wieder ein Lager mit Ungarn errichtet werden sollte(...).“ NA Mittendorfer plädiert am 30. 7. 1946 für den Bau einer Arbeitersiedlung am 20 Hektar großen früheren KZ-Areal, zumal dort Baugründe von den Forstämtern zur Verfügung gestellt würden. Er habe bereits mit Landeshauptmann Gleißner darüber gesprochen. Dieser habe für den Vorschlag sehr großes Interesse gezeigt. Im Gemeinderat herrschte in der Folge Einigkeit, den Siedlungsbau weiterzuverfolgen. Aspekte dafür waren die Wasserversorgung, Kanalisation und die Straßen, die durch das Lager vorhanden seien.

GA Neuhauser: „Wir müssen unbedingt trachten, das Lager von unserem Ort wegzubringen, da wir sonst von all dem Elend nicht befreit werden. Ganz dasselbe ist es auch beim Ernährungswesen, denn solange wir die vielen Fremden hier haben, werden immer die Lager an erster Stelle versorgt werden.(...).“

 Mit dem Bau der Arbeitersiedlung auf dem Lagerareal trachtet die Gemeindeverwaltung sich gleichzeitig auch des „Ausländer und Judenproblems“ zu entledigen, wobei die Meinung bestimmend ist, dass Ebensee unter dem KZ-Lager bereits genug gelitten habe. Bgm. Zieger am 19. 11. 1946: Er habe Auftrag gegeben, dass bei der Rückführung der Fremden strengstes Vorgehen anzuwenden sei. Die Gemeinde verfolge das Bestreben, keinen einzigen Ausländer zurückzubehalten. Ebenso wird in der Wirtschaftsausschusssitzung der Wunsch hinsichtlich der evidenten „Judenfrage“ an den Bürgermeister herangetragen, er möge eine Eingabe an die Landesregierung machen um dieses „Übel in irgend einer Weise zu beseitigen“. Es müsse jedenfalls etwas unternommen werden, „da noch immer ganze Scharen (gemeint sind Juden, d. Verf.) vom Zuge zum Lager, mit Säcken beladen, eilen.“ Im Lauf des Jahres 1947 wird mit den Vorarbeiten und rechtlichen Verhandlungen zum Siedlungsbau begonnen. Im Oktober 1947 stellt der Linzer Architekt Lassy nach Auftrag der Gemeinde Ebensee ein Modell der Arbeitersiedlung am Gemeindeamt aus. Im April 1949 sind die Grundfesten von 4 Siedlungshäusern bereits fertiggestellt.

Heute ist das Gelände des früheren Konzentrationslagers zur Gänze verbaut.

Die Stollenanlagen

Ab Winter 1943/44 wurden beim seit 1909 bestehenden Steinbruch der Firma Hatschek und in der Nähe des KZ-Lagers unter großem technischem Aufwand und unter Einberechnung tausender toter KZ-Häftlinge etwa 7 Kilometer Stollenanlage errichtet. Entgegen des ursprünglichen Planes wurden in den unterirdischen Anlagen niemals Raketen produziert. Vielmehr errichteten die Nationalsozialisten in der Anlage A eine Erdölraffinerie aus geraubten französischen Teilen. Obwohl die US-Militärbehörden eine Rückgabe nach Frankreich verlangt hatten, produzierte die Raffinerie ("Dachs II") noch bis 1947 und wurde dann wegen Rohölmangels eingestellt. Ohne eine nennenswerte Rentabilität zu erzielen wurde ab 1949 wieder ein Produktionsversuch gestartet, ehe 1952 endgültig stillgelegt wurde.

Die Salzkammergutzeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 27. 3. und 24. 4. 1952:

„Die Demontage der Erdöl-Raffinerie ist abgeschlossen. Das Werk wurde nach Algier übersiedelt, ebenso gingen einige Arbeiter nach Afrika. Das Werk arbeitete nach dem Krieg noch einige Zeit weiter, wurde dann der treuhändischen Verwaltung der Republik Österreich überstellt und schließlich von einem französischen Unternehmen gekauft. (...) Nachdem die Erdölanlage Dachs II abgebaut worden war, wurde auch das Schwesterwerk "Iltis" (Flugzeugbenzinraffinerie) von der Firma Zehentner abtransportiert. Teile des Werkes lagen seit 1945 auf einer Wiese am linken Ufer der Traun neben der Ischlerstraße in Langwies in der Nähe des Stollens im Wimmersberg, der zu diesem Zweck errichtet werden sollte.“

Die Stollen sind heute noch zur Gänze erhalten. Die Anlage A wird von der Firma Hatschek industriell genutzt. Die Anlage B enthält einen privaten Schießstand, ein Munitionsdepot der Bundesforste und den Gedenkstollen mit der Dauerausstellung des Vereines Zeitgeschichte Museum.

Das „Lepetit-Denkmal“

Die Tatsache, dass bei der Befreiung am Lagergelände in der Nähe der Revierbaracken und des Krematoriums ein Massengrab mit 1.179 Leichen entdeckt wurde, veranlasste die Mailänderin Hilda Lepetit im April 1947 um die Erlaubnis einzureichen, ebendort ein Denkmal errichten zu dürfen. In diesem Massengrab befindet sich ihr im KZ-Ebensee zu Tode gebrachter Gatte. In einem Schreiben vom 9. September 1947 verpflichtete sich das "Österreichische Schwarze Kreuz" das Denkmal in Form eines Marmorkreuzes mit einer großen Grabplatte zu errichten. Der Entwurf stammte von Architekt Karl Winter aus Ebensee. Die Finanzierung oblag Frau Hilda Lepetit. Am 4. Mai 1948 wurde es feierlich eingeweiht.

Der Bau des „Lepetit-Denkmals“ bot darüberhinaus den Behörden einen willkommenen Anlass eine Verlegung des zum Problem gewordenen KZ-Friedhofs an der Ischlerstraße ins Auge zu fassen. Die anklagende Aufschrift auf dem Monument „Zur ewigen Schmach des deutschen Volkes“ und die damit verbundenen Proteste sowie nicht zuletzt Ansprüche der ehemaligen Grundstückseignerin Antonia W., die als NS-Landesbäurin und Vertraute des OÖ. Gauleiters August Eigruber am 13. 7. 1949 aus den NS-Registrierungslisten gestrichen worden war, gaben den Ausschlag für eine Verlegung.

Nach einer 2jährigen Planungsphase übernimmt die Republik Österreich per Verwaltungsübereinkommen von den Österreichischen Bundesforsten am 11. April 1951 das Gelände um das „Lepetitdenkmal“ am früheren KZ-Lagergelände. Schon im Dezember 1950 wurde vom Landeskonservatoriat OÖ. und der Bauabteilung des Landes OÖ. (Herr Ing. Foschum) eine Entwurfsbeschreibung eines neuen KZ-Friedhofes rings um das "Lepetitdenkmal" vorgestellt und in dieser Form auch realisiert. In der Zeit vom 15.-29. April 1952 wurde die nunmehr notwendige Exhumierung von 841 KZ-Opfern und die Wiederbestattung derselben in der heute bestehenden Gedenkstätte durchgeführt. 525 KZ-Opfer aus Ebensee, die in den Orten Bad Goisern, St. Wolfgang, Bad Ischl, Hörsching, St. Konrad, Aurachkirchen, Steyr, Linz, St. Valentin und Schönau nach ihrer Befreiung verstarben und dort beerdigt wurden, exhumierte man ebenfalls und bestattete sie endgültig in der neuen Gedenkstätte. Bei der Exhumierung der 841 Leichen war zu Beginn ein französisches Expertenteam sowie auch Ing. Simon Wiesenthai anwesend. Nach deren Abreise wurde von einer pietätvollen Exhumierung Abstand genommen und die Ausgrabung im Akkord durchgeführt. In einem Bericht des KZ-Verbandes Salzkammergut vom Juni 1952 heißt es: „Auf dem Schutthaufen der Gräber sowie in den Gräbern selbst waren lose in größeren Mengen folgende Menschenknochen zu sehen, die frei herumlagen: Rippenknochen, Wirbelknochen, Fingerknochen, Fußknochen, Schlüsselbeinknochen und Zähne. Weiters waren noch teilweise die Särge in den Gräbern. Diese waren nur mit einem Gegenstand durch Einschlagen der Deckel geöffnet und die Knochenreste entfernt; die Särge selbst wurden gar nicht ausgegraben, sondern noch in den Gräbern, ebenso Kleiderreste der Begrabenen.“

Die Einweihung des neuen KZ-Friedhofes erfolgte am 3. November 1952. Die BH Gmunden berichtet an die OÖ. Landesregierung am 4. 11. 1952:

(...) Sturm und Regen entfalteten ihre äußersten Kräfte, als die Autos am 3.11.1952, 15.00 Uhr, zum Friedhof heranrollten, denen die Geistlichkeit in kirchlichen Gewändern und zwar der katholische Pfarrer Arthofer aus Kronstorf mit Pfarrer Frühmann aus Ebensee, der evangelische Pfarrer Dopplinger aus Gmunden und Rabbiner Öhler sowie Prokantor Roth der israelitischen Kultusgemeinde, weiters Ministerialrat Berger-Waldenegg des BM für Inneres, Landesamtsdirektor Dr. Rußegger, Bezirkshauptmann HR Hodei, ORR DDr. Siegmar Rehm mit Wirkl. Amtsrat Löw des Amtes der OÖ. Landesregierung, Abteilung Wahlen und Kultus, Wirkl. Amtsrat Rauch des Amtes der OÖ. Landesregierung, Abteilung Opferinteressen, die Architekten Foschum und Nobel der OÖ. Landesbaudirektion, Oberst Zuber des Schwarzen Kreuzes, NR Mittendorfer, Bgm. Neuhauser der Gemeinde Ebensee, die Vertretung Italiens, geführt von Generalkonsul Volpe, Frankreichs, Polens, Gesandter und bevollmächtigter Minister a. D. Hornbostel, die ÖVP Kameradschaft, Präsident Schwager der israelitischen Kultusgemeinde, Ing. Wiesenthal und andere entstiegen.

Es erwies sich als Unmöglichkeit, das volle vorgesehene Programm der Weihefeier zu entfalten, denn der Weststurm, der immer in neuen Stößen hervorbrach, zerriss die Feierworte und die Wassermassen stürzten unaufhörlich ein. Und dennoch empfand jeder, dass den Toten die Weihe und Ehrung nicht hätte würdiger geboten werden können, als unter dem Heulen des Sturmes, das sich mit dem fortgesetzten Peitschengeknall der schwarzen Fahnen mischte, und unter der strömenden Unbill des Wetters, die wohl das geringste Leid jener Männer dargestellt haben mag, welche einst in diesem Konzentrationslager lebten und starben. (... )

Das große Monument am ursprünglichen Opferfriedhof an der Ischlerstraße blieb noch geraume Zeit bestehen und wurde aufgrund seiner Inschrift und Situierung an der Bundesstraße immer mehr zum „Stein des Anstoßes“.

Am 28. 8. 1952 meldet die BH Gmunden an das Amt der OÖ. Landesregierung:

„Wie berichtet wurde, ist noch das Zentralmonument auf dem ehemaligen Straßenfriedhof , Ebensee mit der Gedenktafel erhalten, die in verschiedenen Sprachen unter anderem die Worte trägt: „Zur ewigen Schmach des deutschen Volkes“. Ein reichsdeutscher Sommergast, welcher behauptet, Vizepräsident des deutschen Journalistenverbandes zu sein, verlangte kürzlich beim hiesigen Amte die sofortige Entfernung dieser Tafel und drohte, falls seiner Forderung nicht Rechnung getragen werde, unter Verwendung der deutschen Presse auf die Unterbindung des Fremdenverkehrs in Österreich hinzuarbeiten. Die Personaldaten des betroffenen Herrn sind augenblicklich noch nicht festgestellt. Auch von verschiedenen anderen Personen, besonders von Reichsdeutschen, ist schon wiederholt beim hiesigen Amte Entrüstung und Klage über diese Inschrift geführt worden. Andererseits bestehen die von Ing. Wiesenthal vertretene jüdische Organisation, der Bezirksverband Gmunden der österreichischen Kzler, Häftlinge und Verfolgte mit dem Sitz in Bad Ischl, die tschechische KZ-Opfer-Organisation und in etwas mäßigem Ton schließlich die POLONIA, Salzburg (polnische Interessensorganisation) darauf, dass die Tafel wenigstens vorläufig samt Denkmal erhalten bleibe. Da Gewaltakte nicht völlig ausgeschlossen erscheinen, ist eine gewisse Überwachung des Denkmals angeordnet worden.“

Die als ehemals „illegale Nationalsozialistin“ (1933-1938) rehabilitierte Eigentümerin des Grundstücks Antonia W. drängte in der Folge auf ihr Recht, den Grund als landwirtschaftliche Fläche wieder nutzbar machen zu können, wobei es ihr von besonderem Wert wäre, „wenn das Zentralmonument wegkäme, weil es die Nutzung namhaft störe.“

Die Bezirkshauptmannschaft Gmunden schlägt daraufhin in einem Schreiben an die OÖ. Landesregierung vom 17. 9.1952 folgende Vorgangsweise vor:

„Im Frühjahr 1953 nach der Schneeschmelze können dann im Einvernehmen mit der Eigentümerin alle weiteren Maßnahmen festgelegt werden. Vielleicht ist bis dahin auch die Frage des Schicksals des Zentralmonumentes entschieden; dessen nachteiliger Einfluss auf den Fremdenverkehr (vorzüglich Reichsdeutsche) kann auf die Dauer nicht unbeachtet bleiben. Noch heute ereignet es sich fast täglich, dass reichsdeutsche Fremde beim Denkmal stehen bleiben und ihre Entrüstung über den Wortlaut der Inschrift ausdrücken.“

In der Folge wurde das Monument ohne Informierung der KZ-Verbände gesprengt. Als ein ehemaliger KZ-Häftling nach dem Verbleib der Tafel mit der beanstandeten Inschrift fragte, meinte ein hoher Bezirksbeamter lapidar: „Wollen Sie die Tafel denn am Buckel tragen?“

Derzeit befinden sich in der Gedenkstätte Denkmäler für die luxemburgischen, ukrainischen, polnischen, französischen, deutschen, ungarischen, italienischen, russischen, tschechoslowakischen, jugoslawischen (vor der Teilung der Staatengemeinschaften errichtet) und alle jüdischen KZ-Opfer. Insgesamt sind rund 4000 KZ- Opfer in Einzel- und Massengräbern beerdigt. Die Namen der Beerdigten sind zu einem großen Teil bekannt, da die Häftlinge des KL Mauthausen und der Nebenlager ihre Nummer an einem armbandähnlichen Stück Blech am Handgelenk tragen mussten. Anhand eines Vergleiches der erhaltenen Nummer mit den Totenlisten, die der Lagerschreiber regelmäßig anfertigen musste, war eine Identifikation möglich.

Eine Marmortafel beim Eingang des Friedhofes erinnert an die Befreiung des Lagers durch US-Soldaten der „3rd Cavalry“ unter Major Timothy C. Brennan. Vom früheren KZ-Lager ist nur noch das Haupteingangstor mit einer Gedenktafel der Gemeinde Ebensee erhalten geblieben. Auf dem übrigen Areal steht eine Wohnsiedlung. 1990 wurde ein Teil der unterirdischen Rüstungshallen in der Nähe der Gedenkstätte vom Verein Widerstandsmuseum Ebensee zu Schauzwecken angemietet. 1994 errichtete der Verein in der Gedenkstätte Informationstafeln mit zwei Lageplänen und einer kurzen Geschichte des Lagers in 6 Sprachen. Seit Sommer 1996 ist der Gedenkstollen erstmals durchgehend für Besucher geöffnet. Eine wissenschaftlich fundierte Dauerausstellung im Stolleninneren wurde im Herbst des Jahres 1996 fertiggestellt.


Redaktion: Dr. Wolfgang Quatember

Archiv- und Zeitungsrecherchen: Susanne Rolinek

veröffentlicht in: Wolfgang Quatember, Ulrike Felber (Hg.), Zeitgeschichte Museum Ebensee, Ebensee 2005, S. 198-204

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