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Forschungsprojekt „Arisierungen in Bad Ischl“

Grunddaten des Projektes

Das Zeitgeschichte Museum Ebensee wurde von der Kulturplattform Bad Ischl Ischl damit beauftragt, eine Studie über alle ehemals im jüdischen Besitz befindlichen und „arisierten“ Liegenschaften zu verfassen bzw. eine grundlegende Datensammlung durchzuführen. Die dabei erhobenen Daten umfassten: die Namen der jüdischen Eigentümer, das Datum und die Art des Vermögensentzug, den Namen (bzw. die Institution) des „Arisieurs“ sowie eventuelle Weiterverkäufe und den Verlauf der Rückstellungen.

Bad Ischl als Kaiserstadt und kulturelles Zentrum zog zahlreiche jüdische Bürgerliche und Künstler an, die ihren Sommeraufenthalt in Ischl verbrachten und deshalb auch Häuser, Villen und Grundstücke erwarben. Antisemitische Proteste nahmen mit dem sich etablierenden Nationalsozialismus zu und schon ab 1933 wurde eine „arische Sommerfrische“ gefordert. Mit dem „Anschluss“ Österreichs am 12. März 1938 kam es auch in Bad Ischl zum Entzug von jüdischem Vermögen.

Gößenordnung der Arisierungspraxis in Bad Ischl

In Bad Ischl wurden zahlreiche „wilden Arisierungen“ durchgeführt, die eng mit der Person von Wilhelm Haenel verbunden waren. Wilhelm Haenel trat als selbsternannter „Arisierungskommissionär“ auf, hob eigenständig Abgaben ein und erwirkte zahlreiche „Verkäufe“ durch Drohungen und das zu einem Zeitpunkt, wo noch keine Genehmigungspflicht für privaten Verkauf von Liegenschaftsbesitz galt. Mit Jänner 1939 mussten alle „Arisierungsangelegenheiten“ über die Vermögensverkehrsstelle in Wien abgewickelt werden, auch die Fälle Bad Ischl betreffend. Trotzdem versuchten die lokalen Stellen weiterhin Einfluss auf die „Arisierung“ zu nehmen.

In Folge sollen einige Zahlen über den Umfang des Vermögensentzuges Auskunft geben. In Bad Ischl wurden 98 Liegenschaften bzw. Liegenschaftsanteile, vor allem Immobilien, aber auch Wiesen und Wälder „arisiert“. Der Vermögensentzug erfolgte dabei auf unterschiedlichste Weise, welche mit den Phasen und dem Zeitpunkt der „Arisierung“ zusammenhing.  Die meisten Liegenschaften (insgesamt 66) wurden dabei über Zwangsverkauf arisiert. Es kam zu 3 Zwangsversteigerungen und 18 Beschlagnahmen bzw. Vermögenseinziehungen, die einen „Verfall an das Deutsche Reich“ darstellten. Durch insgesamt 11 Schenkungen bzw. Notariatsakte kamen Liegenschaften in „arische“ Hände. Hierbei handelte es sich um Schenkungen innerhalb der Familie, welche gemacht wurden um das Vermögen vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen.

Hinter jedem „Arisierungsfall“ verbirgt sich das Schicksal einer Familie und eine meist inhumane und abstoßende Vorgehensweise durch die beteiligten Behörden bzw. Personen.

Die Frage der Rückstellung nach 1945

Zur Restitution, also der Rückstellung von entzogenem Eigentum ist zu sagen, dass in Bad Ischl 17 Liegenschaften bzw. Liegenschaftsanteile nach dem ersten bzw. zweiten Rückstellungsgesetz restituiert wurden, was bedeutet, dass sich diese Liegenschaften in Verwaltung des Bundes bzw. der Bundesländer oder im Eigentum der Republik Österreich befanden.

Bei 67 Liegenschaften kam es zu einem Verfahren nach dem dritten Rückstellungsgesetz, welches sich auf Vermögen bezog, das sich in der Hand von Einzelpersonen, Firmen oder Institutionen befand. In diesen Fällen wurde von den Opfern ein Antrag auf Rückstellung bei der Rückstellungskommission der Landesgerichte für Zivilrechtssachen eingebracht. 2 Liegenschaften wurden über einen Rückübergabevertrag restituiert. Hierbei handelt es sich um Schenkungen, die innerhalb der Familie getätigt wurden um die Liegenschaft vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen und nun wieder an die Familienmitgliedern zurückgegeben wurden. Bei einer Liegenschaft, welche ebenfalls innerhalb der Familie übergeben worden ist, wurde keine Rückstellung angestrebt. Bei 11 Liegenschaften ist keine Anmerkung über eine Rückstellung zu finden. In diesen Fällen gab es keine Anträge, bzw. waren keine Daten vorhanden.

Es wäre wünschenswert, wenn die Stadt Bad Ischl mit den vorhandenen Daten, Zeichen setzen würde, die auf das jüdische Leben und das Schicksal der jüdischen Bevölkerung aufmerksam machen.


Projektleitung: Dr. Wolfgang Quatember
Recherchen und Forschungsdokumentation: Mag.a Nina Höllinger