Logo Zeitgeschichte Museum und KZ-Gedenkstätte Ebensee

Gedenkstättenprojekt „Archäologische Sicherung“

Gefördert aus Mittlen der Europäischen Union
Europa für Bürgerinnen und Bürger
Aktion 4 – Aktive europäische Erinnerung
Gesamtkosten: rund € 50.000,—
Zuschuss EU: € 30.000,—

Seit Anfang der 1990er Jahre haben sich archäologische Arbeiten in KZ Gedenkstätten etabliert. „Spurensuchen“  ist Teil der Konzeption und Neugestaltung dieser Orte geworden. In Ebensee geben die manifesten baulichen Überreste und archäologischen Zonen Zeugnis von den nationalsozialistischen Verbrechen im Rahmen der Rüstungswirtschaft im Bereich der Konzentrationslager. Archäologische Sicherung und historisch-wissenschaftliche Deskription sind gleichrangige Ziele des Projektes.

Vom originalen Ort geht zweifellos auch eine Aura des Unmittelbaren aus, die durch die Sichtbarkeit manifester Spuren zunimmt. Gedenken braucht neben neuen Formen der symbolischen Auseinandersetzung auch das materielle Zeugnis. Insbesondere jüngeren Generationen wird durch das in Ebensee gestartete Projekt eine bessere Anschaulichkeit und ergänzend zum kognitiven Erkennen auch ein sinnlich-emotionaler Zugang angeboten.

Ein großer Teil des 20 Hektar großen ehemaligen Lagergeländes des KZ Ebensee wurde ab 1950 durch eine Wohnsiedlung überbaut und ist somit als authentisches Zeugnis nicht mehr erhalten.  Ein Teil der gigantischen Stollenanlagen, der Lagertorbogen sowie Treppenanlagen des sogenannten „Löwenganges“ wurden in den vergangenen Jahren soweit als möglich gesichert. In anderen Fällen, etwa einem vom Grundbesitzer freigelegtes 10 x 15 m großes Wasserreservoir des Häftlingslagers, blieb die Sicherung auf eine fotografische Dokumentation beschränkt.  Sofern sich Grundflächen nicht in verbautem Gebiet befinden, ist aus besitzrechtlichen Gründen eine Lokalisierung von Überresten ebenfalls nur noch zum Teil möglich. Ziel des Projektes ist es, die wenigen noch verbleibenden manifesten Spuren der Häftlingszwangsarbeit im KZ Ebensee sichtbar und den Gedenkstättenbesuchern zugänglich zu machen.

Im konkreten Fall wurde von der KZ-Gedenkstätte Ebensee vor 2 Jahren ein rund 1.000 qm großes Areal von den ÖBF (Österr. Bundesforste AG) gemietet, auf dem sich authentische Mauerreste, Teile der von Häftlingen bei der Arbeit verwendete Kipploren und Fundamente von Industrieanlagen des ehemaligen KZ Lagers befinden. Die Fundamente waren seit Jahren von Steinen, Erde, Sträuchern und kleineren Bäumen überwachsen und wurden im Rahmen des Projektes nunmehr freigelegt. Mit Hilfe von stark vergrößerten US-Amerikanischen Luftaufnahmen aus den letzten Kriegsmonaten sollte es auch möglich sein, Gebäude auf dem Areal zu lokalisieren.

Weitere Artefakte wie Geleisereste, Schüsseln, Arbeitsgeräte, Werkzeuge, Isolatoren, Stacheldraht, diverse Metall- und Kunststoffgegenstände, Rohrleitungen, Lederreste u.a. als Nachweis für die Häftlingszwangsarbeit konnten mittlerweile ausgegraben werden. Die Fundstücke werden gesäubert, fotografiert und soweit möglich inhaltlich bestimmt. Eine vorerst oberflächliche und vorsichtige Kontextualisierung der Funde lässt Rückschlüsse auf den Arbeitsalltag der Häftlinge auf der Baustelle vor den Stolleneingängen zu.

Das freigelegte Areal wird bis Herbst 2009 zugänglich gemacht, durch mehrsprachige schriftliche Hinweise,  aktuelle und historische Fotos in einen Gesamtkontext der Häftlingszwangsarbeit eingebettet. Artefakte werden ab Frühjahr 2010 in der permanenten Ausstellung im Stollengang präsentiert. Im Rahmen einer Fachtagung im Herbst 2009 wird das Projektergebnis abschließend präsentiert und diskutiert.

 Projektdokumentation • Presseberichte


Projektleitung: Dr. Wolfgang Quatember