Logo Zeitgeschichte Museum und KZ-Gedenkstätte Ebensee

 

Günther Androsch stellte am 6.12.2017 seinen dokumentarischen Roman, mit Bezug zum Salzkammergut im ZME vor.

 

 

 

Die vollständige Ausbeutung der Arbeitskraft der Gefangenen stand im KZ Ebensee im Vordergrund. Dies spiegelt sich im Krankenrevier des KZ Ebensee wider. Dr. Wolfgang Quatember und Mag. Nina Höllinger thematisierten in ihrem Vortrag am 29.11.2017 im ZME den Aufbau des Reviers, die Aufnahme, medizinische Versorgung, Krankheiten und Personal des Krankenreviers.

 
Foto: USHMM

 

Im KZ Dachau wurden hunderte von Gefangenen Opfer medizinischer Experimente z.B.: bei Versuchen mit Meerwasser, Unterdruck, Unterkühlung oder Malaria. Referentin Dr. Andreas Riedle, Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung der KZ Gedenkstätte Dachau, widmete sich am 15. November bei einem Vortrag im ZME diesen Medizinverbrechen.

 

 
Fotos: KZ Gedenkstätte Dachau und ZME                          

 

Mit der flächendeckenden Errichtung staatlicher NS-Gesundheitsämter wurden die Weichen für die rassenhygienische Erfassung und Selektierung der Bevölkerung gestellt. Referent Dr. Josef Goldberger vom OÖ. Landesarchiv thematisierte am 18. Oktober im Zeitgeschiche Museum die umfangreichen Maßnahmen und die Verwaltungsstruktur in Oberdonau.

Dr. Josef Goldberger im ZME

Das Zeitgeschichte Museum widmet sich im Herbst 2017 mit vier Vorträgen und einer Wanderausstellung dem Thema "Medizin im Nationalsozialismus".

AUSSTELLUNG: Der Krieg gegen die „Minderwertigen“ - Zur Geschichte der NS-Medizin in Wien

Die Ausstellung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes bietet einen Überblick über die NS-Medizin zwischen 1938 und 1945. Anhand einzelner Kapitel wie „Kindereuthanasie“ oder medizinische Versuche durch NS-Mediziner lassen sich komplizierte Sachverhalte sowie Hintergründe und Folgen der NS-Medizinverbrechen vermitteln. Als zusätzliches Angebot ist die Ausstellung auch für Schulklassen geeignet.
26. September - 22. Dezember 2017

   

VORTRAG [1]  Gesundheit, „Volk” und „Rasse”. Die Rolle der Medizin im Nationalsozialismus
Dr. Herwig Czech bot im ersten Vortrag am 28. September 2017 einen umfassenden Überblick über Medizin und Biopolitik im Nationalsozialismus. Der Vortragende widmet sich in seiner Forschungstätigkeit seit langem diesem Thema und ist an der Medizinischen Universität Wien (OE Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin) tätig.

Dr. Herwig Czech

Weitere Veranstaltungen im Herbstprogramm 2017

Bundeskanzler Christian Kern besuchte am 24. August 2017 gemeinsam mit Landesrätin Birgit Gerstorfer die KZ-Gedenkstätte und legte einen Kranz zum Gedenken an die Opfer nieder.

Besonders beeindruckt zeigte sich der Bundeskanzler vom Namensdenkmal für die Opfer. Er betonte, wie wichtig das Gedenken an die Opfer sei, weshalb ihm der Besuch der Gedenkstätte ein persönliches Anliegen war.

 

Die 72. Internationale Befreiungsfeier fand am 6.5.2017 unter großer Beteiligung von internationalen Delegationen statt. Der österreichische Schriftsteller Robert Menasse hielt ein beeindruckendes Gedenkreferat, in welchem er ein „geeintes nachnationales Europa als Schutz vor nationalistischen Wiedergängern“ einforderte.  Die Überlebenden Izchak Rosenbaum, Andrew Sternberg oder Leszek Polkowski besuchten ebenfalls die Feierlichkeiten, die von Jugendlichen aus Polen und Österreich mitgestaltet wurden. Den Abschluss der Gedenkfeier bildete die feierliche Enthüllung eines Gedenksteins für Wladyslaw Zuk durch sein Witwe.

Alle Reden sowie der Film zur Befreiungsfeier können ab sofort online abgerufen werden.

  

Reden 2017

Sprechstück Gymnasium Diozoese Eisenstadt

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Film zur Befreiungsfeier 2017 (Länge: ca. 30 Minuten)

Am Sonntag, dem 6. Mai 1945 wurde das KZ Ebensee von der 3rd Cavalry der US Army befreit. Rund 15.000 Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern erlangten ihre Freiheit und menschliche Würde wieder. Für etwa 8.500 Männer kamen die US- Truppen zu spät. Sie hatten die rücksichtslose Ausbeutung ihrer Arbeitskraft für den Rüstungswahn des „Dritten Reiches“ nicht überlebt.
Noch im April 1945 starben 4.500 Inhaftierte an den katastrophalen Bedingungen und aufgrund von Gewaltverbrechen im Lager Ebensee.
Die internationale Gedenkfeier findet 2017 exakt am Tag der Befreiung statt. Für die wenigen noch lebenden ehemaligen Häftlinge sowie Angehörige von Opfern bedeutet dieser Tag mehr als für die Mehrzahl der nachgeborenen Generationen. Selbstverständlich trägt die heutige Gesellschaft keine Schuld an den Verbrechen, jedoch Verantwortung dafür, wie sie die politische Zukunft gestalten wird. In den vergangenen 70 Jahren waren demokratische Grund- und Menschenrechte kaum jemals so gefährdet und zur Diskussion gestellt wie in der Gegenwart. Das Friedensprojekt der Europäischen Union wird von Rechtspopulisten desavouiert und nationalen Eigeninteressen untergeordnet. Eine Gedenkfeier, die an die Anfänge und die Folgen des beispiellosen Zivilisationsbruchs mit Millionen Opfern mitten im 20. Jahrhundert erinnert, ist aktueller denn je.

Das Hauptreferat am 6. Mai 2017 hält der bekannte österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Max R. Garcia (USA) und Izchak Rosenbaum (Israel), beide Überlebende des KZ Ebensee, werden als Augenzeugen sprechen.


72. Int. Gedenkfeier, 6. Mai 2017 um 10:30 KZ- Opferfriedhof

Programm:

BEGRÜSSUNG:

  • Ing. Markus Siller (Bürgermeister Ebensee)

GEDENKREFERAT:

  • Robert Menasse (öst. Schriftsteller)

ZEITZEUGENBERICHTE:

  • Max R. Garcia (Überlebender)
  • Izchak Rosenbaum (Überlebender)
  • Daniel Simon (Amicale de Mauthausen)
  • Roberto Lepetit (Aned Mailand)

Feierliche Enthüllung eines Gedenksteins für Wladyslaw "Ladi" Zuk

MUSIKALISCHE UMRAHMUNG: Ensemble „Sonderschicht“
SPRECHSTÜCK: SchülerInnen des Gymnasiums der Diözese Eisenstadt

Rahmenprogramm:

Freitag, 5. Mai 2017 18:30 Uhr "Löwengang", Alte Traun Straße
"STATIONEN DES BEDENKENS"

Samstag, 6. Mai 2017 20:30
Konzert im KINO EBENSEE
"GLUECK & ORKESTAR (Ö)


              

Die Aktion „Schule und Museum“ wird ab Jänner 2017 neu organisiert. Das Zeitgeschichte Museum und die KZ-Gedenkstätte Ebensee zählen zu den in Oberösterreich registrierten Museen, ein Ansuchen muss allerdings vor dem Museumsbesuch gestellt werden. Nähere Infos und telefonische Ansuchen bitte an Land OÖ, Direktion Kultur, Frau Elke Pichler, Tel.: 0732/7720-15643 von Mittwoch bis Freitag, 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr


 

Ladislaus Zuk, Überlebender des KZ Ebensee, Zeitzeuge, langjähriger Freund und Mitarbeiter der KZ Gedenkstätte ist am 12. August im 97. Lebensjahr in Polen verstorben. Sein großer Wunsch, 100 Jahre alt zu werden, erfüllte sich leider nicht. Mit Ladi verlieren wir eine wertvolle Persönlichkeit und einen guten Freund. Am 18. August 2016 fand sein Begräbnis in Polen statt. Langjährige Freunde, Bekannte und die Familie nahmen genau zur selben Zeit in der KZ-Gedenkstätte Ebensee von Ladi Abschied.

Zuk wurde am 7. Oktober 1919 in Warschau als ältestes von fünf Kindern der Familie geboren. Im September 1939, unmittelbar nach dem Angriff auf Warschau, wurde Zuks Vater beim Bombardement von Industrieanlagen getötet. Zuk schloss sich in der Folge einer Gruppe von Jugendlichen an, die Sabotageakte gegen die Deutsche Wehrmacht verübte. Obwohl er selbst an keinen Aktionen beteiligt war, wurde er im April 1940 von der Gestapo verhaftet und für drei Jahre im Pawiak-Gefängnis inhaftiert. Ende November 1940 wurde er mit einem Häftlingstransport aus Warschau in das KZ Auschwitz deportiert, wo er in Birkenau beim Barackenbau arbeiten musste. Nach rund dreieinhalb Monaten brachte ihn ein Häftlingstransport in das KZ Mauthausen, wo er die Häftlingsnummer 52099 erhielt. Eine Woche blieben die Häftlinge in „Quarantäne“, dann erfolgte der Weitertransport in die Außenkommandos. Am 18. Februar 1944 kam Ladislaus Zuk nach Ebensee, wo er anfangs beim Lageraufbau und anschließend in den Stollen arbeiten musste. Am 6. Mai wurde er von den US-Einheiten befreit, erwog nur noch 39 Kilo und es begann sein „Leben nach dem Überleben“.

Tage nach der Befreiung fand Ladislaus Zuk Aufnahme bei der Familie Obermayr in Ebensee. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen, die er zu Ostern 1946 heiratete. In dieser Zeit erfuhr er auch, dass seine Mutter im KZ Auschwitz ums Leben gekommen war. In den Folgejahren konnte Zuk in Ebensee Fuß fassen, er erhielt Arbeit in der Bäckerei Ganglmaier, anschließend war er bei den Firmen Maculan und EMA in Altmünster beruflich tätig. Er erlernte im Laufe der Zeit die deutsche Sprache und gründete mit seiner Gattin eine Familie. Er fand in Ebensee seine „zweite Heimat“, obwohl seinem Schicksal lange Zeit kein Interesse entgegengebracht wurde.

Mit der Gründung des „Widerstandsmuseum“ (jetzt Zeitgeschichte Museum Ebensee) 1988 veränderte sich das Leben von Ladislaus Zuk erneut und er wurde vor eine neue Aufgabe gestellt, denn Dr. Quatember konnte Ladislaus Zuk davon überzeugen, seine Erlebnisse vor Schülern zu schildern. Im September 1989 fand die erste Exkursion von Schülern am Gelände des ehemaligen KZ Ebensee statt und Zuk erzählte zum ersten Mal vor Menschen von seinem Schicksal. Insgesamt begleitete er über 25.000 Schüler und Interessierte mit Engagement und Überzeugung durch die Gedenkstätte. Bei den Schülern und Lehrkräften war Herr Zuk sehr beliebt und geschätzt. Die Jugendlichen waren von ihm begeistert und hörten seinen Erzählungen mit Interesse und Spannung zu. Das Zeitzeugengespräch mit Ladislaus Zuk war für die Schüler immer eine große Bereicherung und ein wichtiges, prägendes Erlebnis.

„Mich hat beeindruckt wie Herr Zuk mit fast 91 Jahren in Form war und wie gut er mit der Vergangenheit umgehen konnte. Ich bewundere seine Kraft, die er gehabt haben muss, um das Ganze zu überleben und dass er heute die Kraft hat, über diese furchtbare Zeit sprechen zu können.“ (Zitat aus dem Exkursionsbericht der 4a HS Hallein-Burgfried, vom 14.4.2010, von Robert, 14 Jahre).

Ladislaus Zuk betonte aber auch immer wieder, dass das Erzählen von seinem Schicksal auch ihm persönlich geholfen hat: „Eine riesige Last fiel von mir ab und ich konnte seelisch gesunden.“

2009 schilderte Ladislaus Zuk sein Leben vor der Kamera. Der entstandene Film "Wege nach Ebensee" würdigt seine außergewöhnliche Lebensgeschichte und bedeutete ihm sehr viel. Oft wies er Besucher stolz darauf hin, dass ein Film über ihn und seine Lebensgeschichte existiert.

Ladislaus Zuk stellte sich selbst im hohen Alter immer wieder neuen Herausforderungen, so baute er sich gemeinsam mit seiner zweiten Gattin eine Existenz in Polen auf und lebte deshalb auf zwei Länder verteilt jeweils ein halbes Jahr in Österreich bzw. Polen. 2010 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt für immer nach Zawierce/Polen. Sein letzter Besuch in Ebensee fand bei der Befreiungsfeier 2011 statt.