Logo Zeitgeschichte Museum und KZ-Gedenkstätte Ebensee

Am Sonntag, dem 6. Mai 1945 wurde das KZ Ebensee von der 3rd Cavalry der US Army befreit. Rund 15.000 Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern erlangten ihre Freiheit und menschliche Würde wieder. Für etwa 8.500 Männer kamen die US- Truppen zu spät. Sie hatten die rücksichtslose Ausbeutung ihrer Arbeitskraft für den Rüstungswahn des „Dritten Reiches“ nicht überlebt.
Noch im April 1945 starben 4.500 Inhaftierte an den katastrophalen Bedingungen und aufgrund von Gewaltverbrechen im Lager Ebensee.
Die internationale Gedenkfeier findet 2017 exakt am Tag der Befreiung statt. Für die wenigen noch lebenden ehemaligen Häftlinge sowie Angehörige von Opfern bedeutet dieser Tag mehr als für die Mehrzahl der nachgeborenen Generationen. Selbstverständlich trägt die heutige Gesellschaft keine Schuld an den Verbrechen, jedoch Verantwortung dafür, wie sie die politische Zukunft gestalten wird. In den vergangenen 70 Jahren waren demokratische Grund- und Menschenrechte kaum jemals so gefährdet und zur Diskussion gestellt wie in der Gegenwart. Das Friedensprojekt der Europäischen Union wird von Rechtspopulisten desavouiert und nationalen Eigeninteressen untergeordnet. Eine Gedenkfeier, die an die Anfänge und die Folgen des beispiellosen Zivilisationsbruchs mit Millionen Opfern mitten im 20. Jahrhundert erinnert, ist aktueller denn je.

Das Hauptreferat am 6. Mai 2017 hält der bekannte österreichische Schriftsteller Robert Menasse. Max R. Garcia (USA) und Izchak Rosenbaum (Israel), beide Überlebende des KZ Ebensee, werden als Augenzeugen sprechen.


72. Int. Gedenkfeier, 6. Mai 2017 um 10:30 KZ- Opferfriedhof

Programm:

BEGRÜSSUNG:

  • Ing. Markus Siller (Bürgermeister Ebensee)

GEDENKREFERAT:

  • Robert Menasse (öst. Schriftsteller)

ZEITZEUGENBERICHTE:

  • Max R. Garcia (Überlebender)
  • Izchak Rosenbaum (Überlebender)
  • Daniel Simon (Amicale de Mauthausen)
  • Roberto Lepetit (Aned Mailand)

Feierliche Enthüllung eines Gedenksteins für Wladyslaw "Ladi" Zuk

MUSIKALISCHE UMRAHMUNG: Ensemble „Sonderschicht“
SPRECHSTÜCK: SchülerInnen des Gymnasiums der Diözese Eisenstadt

Rahmenprogramm:

Freitag, 5. Mai 2017 18:30 Uhr "Löwengang", Alte Traun Straße
"STATIONEN DES BEDENKENS"

Samstag, 6. Mai 2017 20:30
Konzert im KINO EBENSEE
"GLUECK & ORKESTAR (Ö)


              

Die Aktion „Schule und Museum“ wird ab Jänner 2017 neu organisiert. Das Zeitgeschichte Museum und die KZ-Gedenkstätte Ebensee zählen zu den in Oberösterreich registrierten Museen, ein Ansuchen muss allerdings vor dem Museumsbesuch gestellt werden. Nähere Infos und telefonische Ansuchen bitte an Land OÖ, Direktion Kultur, Frau Elke Pichler, Tel.: 0732/7720-15643 von Mittwoch bis Freitag, 8.30 Uhr bis 12.00 Uhr


 

Ladislaus Zuk, Überlebender des KZ Ebensee, Zeitzeuge, langjähriger Freund und Mitarbeiter der KZ Gedenkstätte ist am 12. August im 97. Lebensjahr in Polen verstorben. Sein großer Wunsch, 100 Jahre alt zu werden, erfüllte sich leider nicht. Mit Ladi verlieren wir eine wertvolle Persönlichkeit und einen guten Freund. Am 18. August 2016 fand sein Begräbnis in Polen statt. Langjährige Freunde, Bekannte und die Familie nahmen genau zur selben Zeit in der KZ-Gedenkstätte Ebensee von Ladi Abschied.

Zuk wurde am 7. Oktober 1919 in Warschau als ältestes von fünf Kindern der Familie geboren. Im September 1939, unmittelbar nach dem Angriff auf Warschau, wurde Zuks Vater beim Bombardement von Industrieanlagen getötet. Zuk schloss sich in der Folge einer Gruppe von Jugendlichen an, die Sabotageakte gegen die Deutsche Wehrmacht verübte. Obwohl er selbst an keinen Aktionen beteiligt war, wurde er im April 1940 von der Gestapo verhaftet und für drei Jahre im Pawiak-Gefängnis inhaftiert. Ende November 1940 wurde er mit einem Häftlingstransport aus Warschau in das KZ Auschwitz deportiert, wo er in Birkenau beim Barackenbau arbeiten musste. Nach rund dreieinhalb Monaten brachte ihn ein Häftlingstransport in das KZ Mauthausen, wo er die Häftlingsnummer 52099 erhielt. Eine Woche blieben die Häftlinge in „Quarantäne“, dann erfolgte der Weitertransport in die Außenkommandos. Am 18. Februar 1944 kam Ladislaus Zuk nach Ebensee, wo er anfangs beim Lageraufbau und anschließend in den Stollen arbeiten musste. Am 6. Mai wurde er von den US-Einheiten befreit, erwog nur noch 39 Kilo und es begann sein „Leben nach dem Überleben“.

Tage nach der Befreiung fand Ladislaus Zuk Aufnahme bei der Familie Obermayr in Ebensee. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen, die er zu Ostern 1946 heiratete. In dieser Zeit erfuhr er auch, dass seine Mutter im KZ Auschwitz ums Leben gekommen war. In den Folgejahren konnte Zuk in Ebensee Fuß fassen, er erhielt Arbeit in der Bäckerei Ganglmaier, anschließend war er bei den Firmen Maculan und EMA in Altmünster beruflich tätig. Er erlernte im Laufe der Zeit die deutsche Sprache und gründete mit seiner Gattin eine Familie. Er fand in Ebensee seine „zweite Heimat“, obwohl seinem Schicksal lange Zeit kein Interesse entgegengebracht wurde.

Mit der Gründung des „Widerstandsmuseum“ (jetzt Zeitgeschichte Museum Ebensee) 1988 veränderte sich das Leben von Ladislaus Zuk erneut und er wurde vor eine neue Aufgabe gestellt, denn Dr. Quatember konnte Ladislaus Zuk davon überzeugen, seine Erlebnisse vor Schülern zu schildern. Im September 1989 fand die erste Exkursion von Schülern am Gelände des ehemaligen KZ Ebensee statt und Zuk erzählte zum ersten Mal vor Menschen von seinem Schicksal. Insgesamt begleitete er über 25.000 Schüler und Interessierte mit Engagement und Überzeugung durch die Gedenkstätte. Bei den Schülern und Lehrkräften war Herr Zuk sehr beliebt und geschätzt. Die Jugendlichen waren von ihm begeistert und hörten seinen Erzählungen mit Interesse und Spannung zu. Das Zeitzeugengespräch mit Ladislaus Zuk war für die Schüler immer eine große Bereicherung und ein wichtiges, prägendes Erlebnis.

„Mich hat beeindruckt wie Herr Zuk mit fast 91 Jahren in Form war und wie gut er mit der Vergangenheit umgehen konnte. Ich bewundere seine Kraft, die er gehabt haben muss, um das Ganze zu überleben und dass er heute die Kraft hat, über diese furchtbare Zeit sprechen zu können.“ (Zitat aus dem Exkursionsbericht der 4a HS Hallein-Burgfried, vom 14.4.2010, von Robert, 14 Jahre).

Ladislaus Zuk betonte aber auch immer wieder, dass das Erzählen von seinem Schicksal auch ihm persönlich geholfen hat: „Eine riesige Last fiel von mir ab und ich konnte seelisch gesunden.“

2009 schilderte Ladislaus Zuk sein Leben vor der Kamera. Der entstandene Film "Wege nach Ebensee" würdigt seine außergewöhnliche Lebensgeschichte und bedeutete ihm sehr viel. Oft wies er Besucher stolz darauf hin, dass ein Film über ihn und seine Lebensgeschichte existiert.

Ladislaus Zuk stellte sich selbst im hohen Alter immer wieder neuen Herausforderungen, so baute er sich gemeinsam mit seiner zweiten Gattin eine Existenz in Polen auf und lebte deshalb auf zwei Länder verteilt jeweils ein halbes Jahr in Österreich bzw. Polen. 2010 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt für immer nach Zawierce/Polen. Sein letzter Besuch in Ebensee fand bei der Befreiungsfeier 2011 statt.


 

Der seit Mai 2016 erhältliche Band basiert auf dem 1989 publizierten Buch „Arbeitslager Zement“ und dem 2010 erschienenen Werk „Die Toten von Ebensee“. Florian Freund thematisiert das KZ-System Mauthausen, die Raketenrüstung und das Lagergeschehen in Ebensee sowie die strafrechtliche Verfolgung von Tätern aus dem KZ Ebensee.

Florian Freund: Konzentrationslager Ebensee
Verlag: new academic press, ISBN: 978-3-7003-1938-2
Umfang: 144 Seiten, Einband: Paperback
Preis: € 17,90

Das Buch ist im Zeitgeschichte Museum und im Buchshop des ZME erhältlich.

 


 

Die 71. Internationale Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Ebensee fand am Samstag, dem 14. Mai 2016 um 10.30 in der KZ-Gedenkstätte statt. Prominente Referentin bei der diesjährigen Gedenkfeier war die Schauspielerin Katharina Stemberger, die mit ihrer berührenden und gleichzeitig gesellschaftspolitisch bedeutenden Rede Überlebende und viele Anwesende beeindruckte.

 

Reden 2016 als PDF-Datei

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Die 1978 eröffnete Österreich-Ausstellung im Staatlichen Museum der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau begrüßte Besuchende mit einer Eingangstafel, auf der „Österreich – Erstes Opfer des Nationalsozialismus“ zu lesen war. Lange Zeit war diese Opferthese Teil der österreichischen Identität. Mit dem Wandel des Bewusstseins um die    Mitverantwortung Österreichs an den Verbrechen des Nationalsozialismus wurde schließlich eine Neugestaltung gefordert. 2013 wurde die Ausstellung von 1978 im Block 17 der Gedenkstätte geschlossen. Als Resultat europaweiter Wettbewerbe wurden 2014 die Neukonzeption der Ausstellung und 2015 deren Gestaltung beauftragt.

Die Ausstellungsidee „Entfernung. Österreich in Auschwitz“ verweist auf die geografische Entfernung zwischen Österreich und Auschwitz, zugleich aber auch auf die physische Entfernung der nach Auschwitz deportierten, aus Österreich und aus dem Leben. Die Ausstellung setzt diese Entfernungen in den Mittelpunkt und bringt den Anfang der Geschichte in Österreich und deren Ende in Auschwitz den BesucherInnen nahe, „entfernt“ also gleichsam die beiden historischen Orte. Die in der Darstellung verschränkte Geschichte der österreichischen Opfer und TäterInnen wird zu einer adäquaten Vermittlung der Rolle Österreichs in der Geschichte des Nationalsozialismus beitragen.

(Quelle: www.nationalfonds.org)

Als erstes Gedenkprojekt, das den Gedanken der „Entfernung“ zwischen den Orten Auschwitz und Österreich aufgriff ist die Edition „Auschwitz / Österreich. Zeichnungen von Jan  Kupiec (1945)“. Im Zuge der Recherchen  für die Neugestaltung der Österreich-Ausstellung fanden die Mitglieder des Teams ein Konvolut von Postkarten, die auf der einen Seite Fotografien österreichischer Sehenswürdigkeiten und auf der anderen Seite vom polnischen Auschwitz-Häftling Jan Kupiec gezeichnete Motive und Szenen aus Auschwitz zeigen. Jan Kupiec kam im Jänner 1945 ins KZ Ebensee, wo er auch befreit wurde. Die Zeichnungen und seine auf Papierfetzen von Zementsäcken verfassten Erinnerungen an die Lagerzeit entstanden nach der Befreiung in Ebensee, wo er auf eine Nachricht von seiner Familie wartete.

Vorderseite: Matrei in Osttirol

Rückseite: „Rückkehr von der Arbeit“ 


 

Die BesucherInnen des Zeitgeschichte Museums erwartet ab Jänner 2016 ein in manchen Ausstellungsbereichen neues Erscheinungsbild. Die im März 2001 eröffnete Ausstellung hat die unsererseits gesteckten Erwartungen erfüllt. Bis dato haben etwa 90.000 Menschen, mehrheitlich SchülerInnen aus Oberösterreich im Rahmen des Unterrichts, die Ausstellung besucht. Sie wurde mehrfach in Fachpublikationen und Museumsführern herausragend erwähnt, zuletzt in dem Band von Dirk Rupnow/Hedemarie Uhl (Hrsg.) Zeitgeschichte ausstellen in Österreich. Museen - Gedenkstätten - Ausstellungen. Böhlau 2011.

Dauerausstellungen sollten jedoch nach 10-15 Jahren einer Aktualisierung unterzogen werden, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse und zusätzliche Sammlungsbestände präsentieren zu können. Erfahrungen haben gezeigt, dass bei BesucherInnen jedes Alters eine große Erwartung besteht, originale Objekte sehen zu können, Originale die benutzt wurden, per se eine Geschichte erzählen können und somit eine „Aura der Authentizität“ besitzen.

Neue Ausstellungsbereiche

  • „Arisierung“ („Schratt Villa“ – Löhner; Biografie Wilhelm Haenel, Beauftragter für „Arisierungen“)
  • „NS-Volksgemeindschaft“ („Ahnenpass“, Muttertag, „Ehrenkreuz für die deutsche Mutter“)
  • „NS-Mangelwirtschaft“ (Kleiderkarte, Haushaltsausweis, „Winterhilfswerk“, „Kohlenklau“ - Brettspiel
  • Widerstand (neue Bereichstexte und Biografien)
  • KZ Ebensee (Täterbiografien, Artefakte)


Primäres Ziel der Ausstellungserweiterung war es, nicht die Fehler zahlreicher historischer Museen zu wiederholen. Alle präsentierten Objekte werden in ihrem historischen Kontext beschrieben und wissenschaftlich kommentiert. Die fragilen Rauminstallationen und Virtrinen wurden von Architekt Bernhard Denkinger entworfen und baulich begleitet.


Alle Fotos: Zeitgeschichte Museum Ebensee