Logo Zeitgeschichte Museum und KZ-Gedenkstätte Ebensee

Ladislaus Zuk, Überlebender des KZ Ebensee, Zeitzeuge, langjähriger Freund und Mitarbeiter der KZ Gedenkstätte ist am 12. August im 97. Lebensjahr in Polen verstorben. Sein großer Wunsch, 100 Jahre alt zu werden, erfüllte sich leider nicht. Mit Ladi verlieren wir eine wertvolle Persönlichkeit und einen guten Freund. Am 18. August 2016 fand sein Begräbnis in Polen statt. Langjährige Freunde, Bekannte und die Familie nahmen genau zur selben Zeit in der KZ-Gedenkstätte Ebensee von Ladi Abschied.

Zuk wurde am 7. Oktober 1919 in Warschau als ältestes von fünf Kindern der Familie geboren. Im September 1939, unmittelbar nach dem Angriff auf Warschau, wurde Zuks Vater beim Bombardement von Industrieanlagen getötet. Zuk schloss sich in der Folge einer Gruppe von Jugendlichen an, die Sabotageakte gegen die Deutsche Wehrmacht verübte. Obwohl er selbst an keinen Aktionen beteiligt war, wurde er im April 1940 von der Gestapo verhaftet und für drei Jahre im Pawiak-Gefängnis inhaftiert. Ende November 1940 wurde er mit einem Häftlingstransport aus Warschau in das KZ Auschwitz deportiert, wo er in Birkenau beim Barackenbau arbeiten musste. Nach rund dreieinhalb Monaten brachte ihn ein Häftlingstransport in das KZ Mauthausen, wo er die Häftlingsnummer 52099 erhielt. Eine Woche blieben die Häftlinge in „Quarantäne“, dann erfolgte der Weitertransport in die Außenkommandos. Am 18. Februar 1944 kam Ladislaus Zuk nach Ebensee, wo er anfangs beim Lageraufbau und anschließend in den Stollen arbeiten musste. Am 6. Mai wurde er von den US-Einheiten befreit, erwog nur noch 39 Kilo und es begann sein „Leben nach dem Überleben“.

Tage nach der Befreiung fand Ladislaus Zuk Aufnahme bei der Familie Obermayr in Ebensee. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen, die er zu Ostern 1946 heiratete. In dieser Zeit erfuhr er auch, dass seine Mutter im KZ Auschwitz ums Leben gekommen war. In den Folgejahren konnte Zuk in Ebensee Fuß fassen, er erhielt Arbeit in der Bäckerei Ganglmaier, anschließend war er bei den Firmen Maculan und EMA in Altmünster beruflich tätig. Er erlernte im Laufe der Zeit die deutsche Sprache und gründete mit seiner Gattin eine Familie. Er fand in Ebensee seine „zweite Heimat“, obwohl seinem Schicksal lange Zeit kein Interesse entgegengebracht wurde.

Mit der Gründung des „Widerstandsmuseum“ (jetzt Zeitgeschichte Museum Ebensee) 1988 veränderte sich das Leben von Ladislaus Zuk erneut und er wurde vor eine neue Aufgabe gestellt, denn Dr. Quatember konnte Ladislaus Zuk davon überzeugen, seine Erlebnisse vor Schülern zu schildern. Im September 1989 fand die erste Exkursion von Schülern am Gelände des ehemaligen KZ Ebensee statt und Zuk erzählte zum ersten Mal vor Menschen von seinem Schicksal. Insgesamt begleitete er über 25.000 Schüler und Interessierte mit Engagement und Überzeugung durch die Gedenkstätte. Bei den Schülern und Lehrkräften war Herr Zuk sehr beliebt und geschätzt. Die Jugendlichen waren von ihm begeistert und hörten seinen Erzählungen mit Interesse und Spannung zu. Das Zeitzeugengespräch mit Ladislaus Zuk war für die Schüler immer eine große Bereicherung und ein wichtiges, prägendes Erlebnis.

„Mich hat beeindruckt wie Herr Zuk mit fast 91 Jahren in Form war und wie gut er mit der Vergangenheit umgehen konnte. Ich bewundere seine Kraft, die er gehabt haben muss, um das Ganze zu überleben und dass er heute die Kraft hat, über diese furchtbare Zeit sprechen zu können.“ (Zitat aus dem Exkursionsbericht der 4a HS Hallein-Burgfried, vom 14.4.2010, von Robert, 14 Jahre).

Ladislaus Zuk betonte aber auch immer wieder, dass das Erzählen von seinem Schicksal auch ihm persönlich geholfen hat: „Eine riesige Last fiel von mir ab und ich konnte seelisch gesunden.“

2009 schilderte Ladislaus Zuk sein Leben vor der Kamera. Der entstandene Film "Wege nach Ebensee" würdigt seine außergewöhnliche Lebensgeschichte und bedeutete ihm sehr viel. Oft wies er Besucher stolz darauf hin, dass ein Film über ihn und seine Lebensgeschichte existiert.

Ladislaus Zuk stellte sich selbst im hohen Alter immer wieder neuen Herausforderungen, so baute er sich gemeinsam mit seiner zweiten Gattin eine Existenz in Polen auf und lebte deshalb auf zwei Länder verteilt jeweils ein halbes Jahr in Österreich bzw. Polen. 2010 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt für immer nach Zawierce/Polen. Sein letzter Besuch in Ebensee fand bei der Befreiungsfeier 2011 statt.